CallCenter – Hilfe, ich werde belästigt!

Heute Abend las ich bei Twitter, dass jemand einen Anruf von einem Call Center, das wohl für die Deutsche Telekom telefoniert, bekommen hat. Die Frage, die dazu gestellt wurde war, ob man dort wohl glauben würde, dass an einem Freitag Abend, gegen 18:30 Uhr, jemand ans Telefon gehen würde.

Meine Antwort darauf:

Du glaubst gar nicht, wie viele Leute man gerade dann erreicht.

Und ja, es ist, ich weiß es noch aus meiner Erfahrung so, dass auch an einem Freitag Abend tatsächlich recht viele Kontakte hergestellt werden können. Vor allem, wenn um die Uhrzeit, zu der die Menschen sich gerade im Feierabendverkehr befinden und deshalb Zeit haben. Dann sind sie nämlich besonders unkonzentriert und somit leichter dazu zu bringen einen Vertrag abzuschließen. Klar, es gibt noch das Gesetz. Aber wen interessiert schon, dass er eine Widerrufsfrist hat, wenn nach einer Woche ein Brief mit der Bestätigung und den „Glückwünschen zur neuen Option“ oder zum „Neuen Vetrag“ kommt? Es würde ja auch wieder Arbeit machen, wenn man erst erneut beim Vertragspartner anrufen oder ihm sogar schreiben müsste um den frisch geschlossenen Vertrag wieder rückgängig zu machen.

Deshalb gehen auch viele Menschen gar nicht erst ans Telefon, oder reagieren ansonsten einfach nur nicht ganz richtig.
Meine Schreibpartnerin bei Twitter ging also nicht ans Telefon und schrieb mir auch, sie würde nie ans Telefon gehen, weil „sie nicht immer für jeden und schon gar nicht für Call Center“ erreichbar sei.
Ich halte davon gar nichts, denn somit landet man automatisch in einer Wiedervorlage. Das heißt, das System (Dialer) richtet einfach einen neuen Termin ein um es bei der Zielperson erneut zu versuchen. Im Normalfall mindestens fünf Mal, maximal so lange die Aktion läuft. Und wenn die gewünschte Person bis dahin noch immer nicht erreichbar war – nunja, mit Daten, denken wir mal an die Worte des Edward Snowden, lässt sich unheimlich viel Geld verdienen.

Das muss aber nicht sein!

Viele versuchen es, indem sie die CallCenter Mitarbeiter anbrüllen, selten wird noch immer die Trillerpfeife verwendet, oftmals Beleidigungen.
Okay, stellen wir uns doch mal folgende Situation vor:
Wir stehen hinter einer Ladentheke und sollen etwas verkaufen. Um es ganz bildlich zu machen: Wir stehen an einer Frischetheke (Wurst, Fleisch, Käse, Fisch, Backwaren) in einem Supermarkt. Dort kommt nun ein Kunde hin und wir fragen, was er denn möchte. Er äußert seinen Wunsch, wir machen seine Artikel soweit fertig, und nachdem unser Supermarkt gerade eine Aktion laufen hat die aktiv beworben werden soll, weisen wir unseren Kunden darauf hin, dass wir „aktuell ein ganz frisches, extra für ihn gebackenes und neu entwickeltes Roggen-Weizen-Dinkel Mischbrot im Angebot hätten. 500 Gramm würden davon derzeit nur 49 Cent kosten.“. Die Antwort des Kunden kommt so überraschend als auch lautstark, bevor wir ihm die für ihn zusammengestellte Ware übergeben können und er brüllt uns an „was uns denn einfallen würde; er habe uns nicht nach danach gefragt, wir sollen ihn nie wieder ansprechen, sonst würden wir es mit der Poizei zu tun bekommen!“ (Die Beleidigungen, die im Call Center oft zu hören sind, habe ich an dieser Stelle ausgelassen).
Wie denken wir jetzt in diesem Augenblick darüber? Vielleicht: „spinnt der“? oder: „soll er doch machen, er hat uns doch angesprochen“!
Und beides ist noch absolut harmlos, denn da gibt’s noch die Kandidaten, gegen die es inzwischen – zum Glück – sogar Urteile gibt, die meinen, sie könnten gegen Call Center Mitarbeiter mit Trillerpfeifen losgehen. Das kann ganz gewaltig nach hinten losgehen, denn dadurch können bleibende Hörschäden verursacht und der Trillernde unter Umständen für eben die zur Kasse gebeten werden.

Also sollte ein anderer Weg gefunden werden. Aber welcher?

Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit die angerufene Nummer auf die so genannte „Sperrliste“ setzen zu lassen. Das heißt nichts anderes als, dass das Call Center ihre Nummer von künftigen Anrufen ausschließt. Oder sie bitten einfach – freundlich(!!!) – darum, künftig nicht mehr angerufen zu werden. Dann wird im Normalfall ihre Nummer erstmal für diese Aktion ausgeschlossen.
Beides gilt jedoch nur für Anrufe aus deutschen Call Centern!
Auch für Anrufe aus deutschen Call Centern (und Werbepost) gilt die Eintragung in die Robinson-Liste (Link zu Wikipedia). Bitte auf der Verlinkung genaueres dazu durchlesen. Das Thema dieser Liste ist um einiges tiefergründig und in mehreren Ländern verfügbar, weshalb ich auch nicht den Direktlink zur Verfügung stelle.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich nun, durch diese drei Optionen zusammengenommen, telefonisch seit rund drei oder vier Jahren komplett werbefrei bin. – Das hat auch so zu bleiben! – Nur, dass wir uns an dieser Stelle richtig verstehen.

Es kommen aber trotzdem noch Anrufe!

Ja, können. Stimmt!
Vereinzelt können (und dürfen) noch immer „Werbe“anrufe (und schreiben) kommen.
Und jetzt der springende Punkt:
Nehmen wir wieder an, wir hätten ein Vertragsverhältnis mit Firma ABCXYZ. Dieser Firma haben wir, weil wir – wie üblich – alle Vertragsbestimmungen und AGB ach so gründlich durchlesen, das Recht auf „Speicherung und Nutzung“ unserer Daten eingeräumt. Des weiteren haben wir, weil wir – natürlich auch darauf so gut geachtet haben – den Haken bei „Weitergabe der Daten an Dritte“ übersehen und ebenso den Haken bei „Ich erlaube Firma ABCXYZ Anrufe zu Qualitätssicherungszwecken oder Verbesserung ihrer Dienstleistungen“.
Was sagt uns das? – Nichts? – Okay!
Spätestens dann trifft der Spruch „Ich habe nichts zu verbergen!“ tatsächlich zu. Aber dann sollten wir uns auch nicht darüber aufregen, wenn mal ein Call Center Mitarbeiter anruft und uns was anbieten oder fragen möchte. Denn: nochmal: Dann haben wir nichts zu verbergen!
Der Haken „Speicherung und Nutzung“ (unserer Daten) besagt eigentlich nichts anderes, als dass alles an anfallenden Daten wie durch einen Schwamm aufgesogen und gespeichert wird. Bei „Bedarf“ wird es dann ausgewertet und ggf. vermarktet. Auch bekannt unter dem Begriff „Big Data“. Unter anderem so kommen Call Center an unsere Telefonnummern und die unserer Freunde und Freundesfreunde und deren Freunde und so weiter (Wer erinnert sich dran, welche App Zugriff auf das Telefonbuch, die Verbindungen, die SMS und die E-Mail wollte?).
Die „Weitergabe der Daten an Dritte“ besagt nicht viel anderes. Abgesehen von der Legitimation, stetigen Handel mit unseren Daten treiben zu dürfen. Egal ob Onlinedaten, Telefondaten (Verbindungen, SMS, E-Mail, MMS, Kontakte, …) Wer diese „Dritten“ sind, bleibt meist außen vor. Das könnten zum Beispiel (wie in zwei Online-Games, die weltweit recht aggressiv beworben wurden) auch Justizbehörden der USA sein oder auch wieder „Datensammler“, also sprich Agenturen, die sich auf den Datenhandel spezialisiert.
Und der dritte Haken „Ich erlaube Anrufe zu Qualitätssicherungszwecken…“ legitimiert zu nichts anderem als ein Call Center zu beauftragen uns anzurufen. Wozu? Na, zu Qualitätssicherungszwecken UND um deren Dienstleitungen zu verbessern. Da Dienstleistungen aber Geld kosten, dürfen wir uns gern mal die Frage stellen, wer da nun in die Tasche greifen wird. Die Firma ABCXYZ, die auch bereits für die Anrufe bezahlt – oder wir, die Vertragspartner der Firma?

Aber die Briefe, die jetzt noch kommen, sind nicht von einer Firma.

Oh, stimmt, es gibt noch eine Ausnahme. Böse Zungen sprechen von „Bettelbriefen“, die noch kommen (können). Ja, die Zeit vor Weihnachten eignet sich besonders gut auch von mir immer wieder „mein Bestes“ haben zu wollen. – Mein Geld!
Aber wie in jedem Jahr landen solche Briefe (meist zwischen drei und fünf) ungelesen in der Papiertonne. Dazu bekam ich unterschiedliche Informationen – selbst von den Einwohnermeldeämtern. Zwischendurch wurde mir erklärt „Ja, gemeinnützige Institutionen dürfen Infopost verschicken“ und andererseits bekam ich auch die Info „Nein, auch gemeinnützige Institutionen dürfen keine Infopost verschicken“. Ich werde mich aber selbst in den Kürze nochmals schlau machen und ein Update dazu schreiben.
Vielleicht weiß auch einer meiner Leser mehr und hinterlässt einen Kommentar mit Quelle aus der das hervorgeht. Das wäre auch eine Lösung.

Übrigens.. So kann man auch Call Center loswerden:
Gerade schrieb mich jemand über Twitter an und verlinkte mir seine Seite bei Soundcloud. Darauf hat er einige Files, zu denen er erklärte, er habe eine „Gewitteroma“ programmiert, die er, sobald ein Call Center anrief, je nach Bedarf einspielte. Ich gebe zu, das ist schon eine echt fiese Masche, aber selbst ich, der einst für diverse Anbieter telefonierte und einige Produkte im Sortiment hatte, war gewaltig am schmunzeln. Und offensichtlich ging es nicht nur mir so, denn bei einer Call Center Mitarbeiterin konnte man das Schmunzeln auch schon mehr als nur erahnen… Die Gewitteroma

Alles nur aus Spass!

Ich bin seit einigen Jahren in einer Community aktiv, die sich über Messaging, Chat, Aktivitäten-Kalender (z.B. Adventskalender mit Geschenken die Freunden gemacht werden können), vom Betreiber veranstaltete Usertreffen und einigem mehr erstreckt. Seit einiger Zeit gibt es dort auch einen Fragebogen zur Persönlichkeit, den man ausfüllen kann um zu sehen, wie gut oder schlecht eine andere Person zu einem passt. Auch ich habe diesen Fragebogen ausgefüllt. Die Angaben, die ich dabei gemacht habe, entsprechen der Wahrheit. Allerdings ist der Fragebogen neutral gehalten. Die Fragen ließen natürlich Rückschlüsse auf die einzelne Person zu. Die vorgegebenen Antworten jedoch sind von der Art her bei allen dieselben. Genderneutral und immer zwischen zwei und vier Auswahlmöglichkeiten, dazu noch die Wahl von „Unwichtig“ bis „Sehr Wichtig“.

Nun ist mir, als meist mitdenkendem Leser, schon öfter aufgefallen, dass sich viele Antworten bei einzelnen Personen völlig widersprechen.
Beispielsweise was das Auto für einen bedeute. Oft wird die Antwort „nur Mittel zum Zweck“ ausgewählt, einige Fragen später dann, dass man „selbst eines besitze“ und noch einige Fragen später, dass „Partner/in ohne Auto“ ginge gar nicht.
Moment!
Ist das Fahrzeug dann vielleicht doch ein wenig mehr als nur Mittel zum Zweck?

Derlei Fallen gibt es noch einige mehr. So auch zum Thema Aussehen, Geld, Treue, Familie, Sex und

…zu allen guten Dingen gehört schließlich auch die Frage, ob „man intelligenter sei“ als der Rest der Menschen, was – natürlich – auch nicht gerade wenige mit „Ja“ beantworten.
Ob dazu besonders viel Intelligenz gehört?
Aber gut, schließlich gibt es auch die Frage ob „man einen Würfel mit mehr als sechs Seiten“ besitzt.
Na klar habe ich einen besessen! – Irgendwann mal. – Ich erinnere mich nur nicht mehr so genau dran, nur soweit noch, dass welche in einem Mathematik-Lernspiel, damals in der Schule waren, und etwas später mal in einem Brettspiel der eine oder andere.
Gut, hier antworten die meisten Nutzer mit „Nein“. Manche, die mit „Ja“ oder auch mit „Ja, früher mal“ antworten, haben dann einen Kommentar drunter stehen wie „Sowas gibt’s gar nicht!“ oder „Nur Spaß!“.

Nur Spaß? Ich befürchte eher, hier hat der Spaß schon lange aufgehört.
Wozu füllt man denn einen solchen Fragebogen aus, wenn „nur zum Spaß“? Aus Langeweile? Oh, ach nein. „Nur zum Spaß“. Entschuldigung!
Also, wenn ich Spaß haben möchte, verschaffe ich mir den anders als stundenlang am Rechner zu sitzen und seitenweise blöde Fragen auszufüllen. Um genauer zu sein: Über 220 Fragen, bei denen noch Unterfragen hinzu kommen, sodass man auf zusammengerechnet fast 500 kommt.
Ehrlich? DAS macht euch Spaß?

Get a Live!

ffm.de – Im Großen und Ganzen eine Farce?

Ich meldete nun schon einige „Mängel“ über die Plattform ffm.de, eine Seite, die ehemals für den Bürgerhaushalt der Stadt Frankfurt am Main zur Verfügung stand. Daher war die Seite ehemals auch eine wirklich tolle Idee, die aber – offiziell mangels Beteiligung – eingestellt und zu einer Seite, auf der sich Bürger an ihrer Stadt „beteiligen“ können, umgebaut wurde.

An der sich „Bürger an ihrer Stadt beteiligen“ können? – Das klingt gut! – Genauer gesagt klänge es gut, wenn dem auch so wäre.
Auf der Seite gibt es zum Beispiel ein Dialogverfahren:
„Ihre Ideen für die Stadt Frankfurt am Main“
Nebendran präsentiert sich Herr Becker stolz auf einem Bild und heißt die Besucher der Seite Willkommen.
Klickt man auf den „Jetzt mitmachen!“-Button wird man direkt auf eine „Ideenplattform“, die sowas wie den ehemaligen Bürgerhaushalt darstellen könnte, weitergeleitet.
Als Besucher der Website lassen sich dort Ideen schreiben und auch unterstützen. Und natürlich auch Kommentare schreiben.

Wird auf der Startseite etwas weiter nach unten gescrollt, kommt der Mängelmelder zum Vorschein.
Mängelmelder? – Gute Idee!
In den Städten gibt es schließlich IMMER eine Menge Mängel. Gerade hier in Frankfurt gäbe es einiges zu bemängeln: Unfreundliche Mitarbeiter im Bereich der Stadtentwässerung und des Ordnungsamtes, ebenso Inkompetenz in beiden Ämtern,… um nur auf Anhieb zwei zu nennen.

Hier ist schön: Als Nutzer muss man, entgegen der Ideenplattform, nicht registriert sein um einen Mangel zu melden. Aber: Melden wir uns an und landen auf der Landkarte, die Frankfurt anzeigt und setzen den Punkt dort, wo der Mangel sich befindet. Dann sollte aus einer Kategorie aus 5 (FÜNF!) Punkten ausgewählt werden, um welchen Mangel es sich handelt.

Müll
Straßenschäden
Ampel defekt
Straßenschild defekt
Straßenbeleuchtung defekt

Wie, will man manche Mängel gar nicht sehen?
Da fehlen doch noch einige! Wie wäre es zum Beispiel mit „falsch parkenden Fahrzeugen“ (schließlich ist das eine Angelegenheit der STADTpolizei der Stadt Frankfurt), oder „inkompetenten oder unfreundlichen Mitarbeitern“?
Ach so, nein. Das geht nicht. Damit würde man sich vermutlich ins eigene Knie schießen.
So meldete ich zum Beispiel am 7.10.2014 einen Mangel. Es lag Unrat in einem Bach und es drohte Unwetter. Dieser Unrat von der Baustelle nebenan wurde von Kindern und Jugendlichen, die auf dem Spielplatz der sich nebenan befindet, in den Bach geworfen.
Anstatt die Meldung direkt „in Angriff“ genommen wurde, kam die Rückmeldung, dass mein Anliegen an die „zuständige Stelle“ weitergeleitet worden sei. Das war ebenfalls am 7.10.2014.
Dann tat sich nichts mehr.
Die Baustelle setzte über Monate aus, Unwetter zogen über Frankfurt, der Winter zog über Frankfurt, der Unrat wurde weggespült, es folgte im April 2015 eine Bachreinigung, privat iniziiert bei der Teile des Unrates viel weiter unten im Bachlauf wieder heraus geangelt wurden. Und endlich, Ende Mai 2015 kam per ffm.de die Rückmeldung – nach 7 (SIEBEN!) Monaten, dass die Stadtentwässerung Frankfurt die zuständige Firma (Fa. STH Hüttental GmbH) zur Reinigung des Bereiches beauftragt habe. Selbige habe dann auch am 26.05.2015 die Baustelle gereinigt.
Nach eigenen Angaben (telefonische Rückfrage am 29.05.2015) hat Frau Bausch sich die Baustelle aber nicht angesehen und wird das erstmal auch nicht – sie habe keine Zeit dafür (Im Westen nichts Neues). Und so liegt also noch immer einiges an Unrat (Folie (ungesichert), Sandsäcke, Balken) dort herum. Mal ganz abgesehen vom japanischen Knöterich, auf den ich sie noch hätte an… Oh, da war einfach aufgelegt.
Japanischer Knöterich ist eine Art Unkraut, das sämtliche einheimischen Pflanzen verdrängt und sich sehr stark ausbreitet, wenn es nicht massiv bekämpft wird. Es wächst im Bereich der Stadtentwässerung, also in eben dem Bereich für den Frau Bausch zuständig ist und ist bereits wieder auf eine Höhe von rund 2 Meter angewachsen.

Tja liebe Stadt Frankfurt, vielleicht solltet ihr mal darüber nachdenken euren Mängelmelder in eigenen Sachen zu erweitern. Inkompetenz, Faulheit oder Unfreundlichkeit, wie am Telefon schon öfter zu erfahren gewesen, sind nämlich auch Mängel!

Tür auf? – Tür zu!

Es wird ständig in den Medien davor gewarnt fremde Menschen ins Haus zu lassen. Und da bei uns im Haus schon mehrfach eingebrochen wurde, habe ich für mich beschlossen, das auch eben so in die Tat umzusetzen und niemanden, den oder die ich nicht kenne oder die kein berechtigtes Interesse nachweisen können (Polizei, Feuerwehr, Notdienste (keine Sanitärdienste, es sei denn ich hätte sie selbst bestellt)) ins Haus zu lassen.

So ging ich also in den vergangenen Tagen zur Tür raus, als sich von außen eine mir unbekannte Person, ein Mann, dagegen stemmte und versuchte sich Zugang zu verschaffen. Auf meine Anfrage, ob die Person „hier“ wohne, bekam ich lediglich als Antwort, dass mich „das gar nichts anginge“. Also zog ich die Tür endgültig hinter mir zu. Woraufhin der Spruch „Sehr freundlich, Du Arschloch!“ von eben dem vor der Tür wartenden kam.
Dass dieser äußerst „freundliche“ Herr bereits geklingelt zu haben schien, konnte ich von innen nicht sehen. Jedenfalls fragte ich ihn, ob mit ihm alles „in Ordnung“ sei, denn wir seien weder per Du, noch stehe es ihm zu ausfallend zu werden.
Wie auch immer, die Diskussion zog sich noch einige Zeit hin und er klingelte noch zwei Mal, reagierte aber weder darauf, dass ihm elektronisch geöffnet wurde, noch dass am anderen Ende der Wechselsprechanlage nachgefragt wurde. Bis schließlich eine Frau von innen die Tür öffnete und fragte, weshalb der Herr nicht rein käme. – Natürlich weil ich ihm die Tür vor der Nase zugezogen hatte!
Die Dame ließ auch direkt noch einen weiteren Herrn, der sich inzwischen vor der Tür eingefunden hatte, mit ins Haus. Der begann sich den beiden erstmal vorzustellen, wurde jedoch direkt von ihr abgewürgt. Dann verschwanden die Frau und der erste Herr und der zweite Herr verblieb allein im Treppenhaus.

Zwei Tage später begegnete ich der Frau. Sie öffnete mir mit den Worten „Das ist doch ein Service! Oder?“ die Haustür – woraufhin ich mich höflich bei ihr bedankte und ihr selbstverständlich Recht gab. Ich versuchte allerdings kurz die Situation richtigzustellen, die sich abgespielt hatte und mein Handeln zu erklären.
„Innerhalb der vergangenen drei Jahre ist – besonders in den unteren Etagen – verstärkt eingebrochen worden. Sicherlich gibt es einige, die daraus nicht gelernt haben, andere schon. Die achten dann auch darauf, niemanden mehr ins Haus zu lassen, die sie nicht kennen. Generell würde ich aber den Verdacht hegen, dass Sie, sollten Sie in einem 2-Familien Haus leben, nicht alle rein lassen die Sie nicht kennen, weil die ja sicher zu den Nachbarn wollen..
Hier leben wir einfach nur mit einigen Parteien mehr zusammen, aber vom Prinzip her ist das nichts anderes! Und mal ernsthaft: ICH möchte nicht, dass bei mir eingebrochen, alles durchwühlt und meine Sachen geklaut werden. Sie etwa?“

Gut, darauf konnte die Dame fast nur noch mit einem „Nein“ antworten. Sie zog es dann aber vor „schnell zum Bus“ zu müssen und nicht glauben zu wollen, dass ihr Mann mit solchen Ausfälligkeiten an der Haustür um sich wirft.

Na herzlichen Glückwunsch!
Da haben wir uns hier im Haus ja „was eingefangen“.

#NotJustSad – Jeden Trend muss man nicht mitmachen!

Zurzeit kann man, wenn man bei Twitter das Stichwort #NotJustSad eintippt, allerlei Dinge rund um Depressionen von den unterschiedlichsten Menschen lesen. Dabei stellt sich schnell heraus, dass vieles, dort geschriebenes, einfach nur Mist ist. Teilweise versuchen sich die Menschen vielleicht in die Rolle zu denken, manchmal stellen sie sich vielleicht in der Rolle vor und ein anderes Mal sind sie vielleicht depressiv.

Warum eigentlich #NotJustSad, bzw. #JustNotSad?

Für das Wort „Sad“ gibt es mehrere Übersetzungen:
Traurig, bedauerlich, unglücklich, trist, schlimm, schmerzlich, betrüblich.
Das Wort „traurig“ trifft die Bedeutung aber am genauesten.
Also auf gut Deutsch übersetzt:
#NichtNurTraurig

Ja, aber was denn sonst?

Liest man, wie Eingangs erwähnt, den Hashtag JustNotSad bei Twitter durch, finden sind dort sogar Vergleiche zu „Twilight“ oder „The Walking Dead“. Und diese Vergleiche sind laut Twitterprofil von Erwachsenen, die, wie sie der Welt erzählen, an Depressionen leiden.
Das wäre in etwa so, als würde ich mir einen Zombie-Film ansehen und danach der Welt erzählen wie leer, ausgesaugt und tot ich mich doch fühle.
Ihr versteht worauf ich hinaus möchte?

Und damit sind wir beim eigentlichen Thema:
Nicht jeder, der MAL depressiv ist, hat gleich Depressionen!
Nicht jeder, der MAL Kopfweh hat, hat einen Hirntumor!
Nicht jeder, der MAL einen Wadenkrampf hat, hat gleich ein Raucherbein!

Der Sinn dürfte klar sein. Oder?

Natürlich hat jeder Mensch auch „mal“ einen schlechten Tag oder ist einfach „mal“ nicht gut drauf. Vielleicht ist ein Mensch an einem oder sogar an mehreren Tagen depressiv. Das war auch schon zur Zeit meiner Großeltern nicht anders. Aber damals wäre auch noch niemand auf die Idee gekommen zum Arzt zu gehen und zu sagen: „Herr Doktor, Herr Doktor, ich habe Depressionen! Geben Sie mir Medikamente, verschreiben Sie mir eine ambulante Therapie!“
Und vor allem eine ambulante Therapie! Ihr wisst schon, dass die ambulante Therapie eigentlich auch für nach dem stationären, bzw. teilstationären Aufenthalt in einer Klinik gedacht ist und gerade die Menschen mit Depressionen eine ambulante Therapie dringendst benötigen würden?
Leider bekommen die aber oftmals Langezeit keinen Platz – weil die Therapieplätze alle belegt sind – wegen Menschen die „Mal“ depressiv sind. Daher sind Wartezeiten bis zu 24 Monaten keine Seltenheit.

Ich finde es ja toll, dass über soziale Netzwerke auf psychische Probleme aufmerksam gemacht wird, aber eine Bitte habe ich dann doch:
Macht das nicht auf Kosten derer, die tatsächlich psychiatrische oder psychologische Hilfe dringend bräuchten und lasst den Menschen bitte die wenigen freien Plätze, die es gibt.
Stellt euch einfach mal vor, ihr hattet eine OP, kommt aus dem Krankenhaus, sollt die Wunde ambulant nachversorgen lassen und dann sagt man euch am Tresen von mindestens 10 verschiedenen Haus- oder Fachärzten bei jedem einzelnen immer wieder: „Das tut mir leid. Wir sind belegt, aber melden Sie sich doch in einem Jahr (variabel 6 bis 24 Monaten) nochmal zur Wundversorgung. Dann können wir uns vielleicht drum kümmern.“ So lang lauft ihr dann mit eurer unversorgten Wunde rum und niemand kümmert sich um euch.
Genau so geht es Menschen mit echten psychischen/seelischen Problemen.